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Künstlerbesuch im 14 Stock am 19. September 2013

Darmstädter Echo - Freitag 20. September 2013

 

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Künstlerbesuch im Hochhaus

Kunstprojekt – An der Hochschule Darmstadt malen Menschen mit Behinderung Bilder mit Blick aus dem 14. Stock

 

Die Künstlergruppe beim Malen in der Hochschule Darmstadt  Im Senatssaal der Hochschule Darmstadt (HDA) haben gestern Menschen mit Behinderung gemalt.

Mathematiker Wilhelm von Schultz lädt seit vielen Jahren Künstler an den Fachbereich ein, die dort auch ihre Werke zeigen.

Die Bilder im Konferenzraum und in den Laboren des Fachbereichs Mathematik der HDA tragen Titel wie „Ich sehe Dich“

oder „Blumen im Schnee.“ Im Büro von Wilhelm von Schultz vom Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften hängt ein Gemälde, das der Künstler „Wilder Kerl“ genannt hat. Der Mathematiker hat es auf der Ausstellung „Behind Art“ entdeckt – und da
der „wilde Kerl“ ihn auch ein bisschen an sich selbst erinnert, hat er es gekauft.

Seit 2005 organisiert Wilhelm von Schultz im Fachbereich Ausstellungen mit Bildern von Menschen mit Behinderung. Eher zufällig entdeckte er 2005 im Malraum der Nieder-Ramstädter Diakonie Kunstwerke, die kaum beachtet in einer Ecke standen.

Mit den Künstlern rahmte er einen Teil davon ein und stellte sie im HDA-Konferenzraum aus. „Das hat den Raum enorm aufgehübscht“,sagt er.

Ein Jahr lang hingen die Bilder dort, dann wurden sie an Kollegen verkauft, die damit ihre Büros verschönerten. Wilhelm von Schultz

hatte derweil schon in einer weiteren Behinderteneinrichtung Künstler aufgetan und für die nächste Ausstellung gewinnen können:

So kamen Werke aus Riedstadt, Bensheim oder Rüsselsheim an die HDA. Sie wurden jeweils zu Beginn des Sommersemesters

bei einer Vernissage im Konferenzraum enthüllt und hingen dann bis zur Finissage nach Ende des Wintersemesters.

 

Ausstellung

Ein Teil der Bilder wird bei der Kunstausstellung „Gekrönte Häupter“ des Offenen Ateliers zu sehen sein, die am 16. Oktober um 18 Uhr im
Schloss Lichtenberg (Fischbachtal) eröffnet.

Eine Schwäche für Hochhäuser

Demnächst werden dort Bilder hängen, die am Donnerstag von Künstlern der Villa Luce, einer Behinderteneinrichtung in Eschborn, gemalt
wurden. Nachdem Wilhelm von Schultz einen der Künstler bei der Ausstellung „Behind Art“ in Darmstadt kennengelernt und dieser ihm von seiner Leidenschaft
für Hochhäuser erzählt hatte, lud der Mathematiker ihn und seine Kunstgruppe kurzerhand an die HDA ein.

Und so saßen gestern Heike, Ravi, Doris und Gerd an den Fenstern des Senatsaals im 14. Stock des sanierten HDA-Gebäudes und malten
großflächige, farbenfrohe, beeindruckende Bilder. Hoch konzentriert fahren sie mit Schwämmen, Wachsmalstiften und Pinseln übers Papier. Unterstützt werden sie
dabei von Heilpädagogin Eva-Maria Keller-Welsch, die einen Teil der Künstler schon seit 20 Jahren im „Kunstforum Sommerwerkstatt“ der Villa Luce begleitet.
Acht Künstler zwischen 26 und 59 Jahren gehören zu der Künstlergruppe; alle leben auch in der Villa.

Gemalt wird spontan, mindestens aber ein- bis zweimal pro Woche für zwei bis drei Stunden im Garten der Villa Luce, in der Küche oder der Halle.

Was dabei und bei einer Freizeit mit Kunst-Assistentin Keller-Welsch entsteht, wird in Ausstellungen gezeigt, denen die Künstler jedes Mal mit
großer Aufregung entgegensehen. Mit dabei ist oft auch Michael Jäck, der die Gruppe ehrenamtlich begleitet. Von dem, was gestern bei der Mal-Premiere

im Hochhaus entsteht, ist nicht nur er begeistert. „Toll“, lobt auch Wilhelm von Schultz. „Und so ausdrucksstark.“ So hat Heike in ihrer Collage das Hochhaus auf eine
Blumenwiese platziert; sie will, dass die Studenten auch Blumen sehen, sagt sie und wischt kraftvoll Acrylfarbe auf.

 

Ein Häuser-Mosaik und Studenten-Könige

Ravi hingegen zeichnet mit feinen Stiften die Häuser Darmstadts wie ein Mosaik um das Hochhaus herum. Doris, die mit Wachs- undFilzstiften arbeitet,

hat das Haus in eine Burg integriert und lässt bei den Studenten auch Könige wohnen. Gerd setzt sein Haus mitten auf eine grüne Insel im blauen Meer.

Er genießt die Malerei – und den Blick aus dem 14. Stock. „Von hier kann man alles sehen“, schwärmt er. Und überlegt, ob er noch eine
Palme auf seine Insel malen soll. Für die Studenten.

 



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