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,,Bunte Vielfalt" -Artikel aus dem Höchster Kreisblatt vom 21. Juni 2012

 

Die Künstler der Villa Luce und andere Menschen mit Behinderung stellen im Stadtmuseum aus. "BehindArt", eine Gemeinschaftsausstellung von 16 Einrichtungen des Rhein-Main-Gebietes,gastiert in Eschborn.

 

Dicht an dicht lehnen die Häuser aneinander. Aus dem beigefarbenen Hochhausdach sprüht ein großer blauer Strahl. "Kleine Stadt" heißt das farbenfrohe Triptychon in Acryl von Gerd Grünhagen. "Den Namen habe ich mir selbst ausgedacht", sagt der 55-Jährige. "Auf dem Strahl kann jemand hochklettern und den Himmel sauber putzen."

 

,,Kleine StadtFrüher habe er gar nicht gemalt, erzählt seine Schwester. Das habe man erst in der Villa Luce erkannt, dem Ort, an dem der Bruder seit nunmehr 30 Jahren wohnt und sehr gut betreut werde. Das Wohnheim Villa Luce bietet 20 Menschen mit Behinderung Platz zum Wohnen. Dort legt man großen Wert darauf, dass die gehandicapten Bewohner die Möglichkeit bekommen, sich künstlerisch auszudrücken.

 

Schon seit 1994 lassen sie bei der jährlichen Sommerwerkstatt mit Hammer, Feile und Pinsel ihrer Phantasie freien Lauf, jedes Jahr fahren sie zum Workshop auf einen Bauernhof im Westerwald. Seit 2003 beteiligen sie sich auch an der "BehindART", einer Gemeinschaftsausstellung von 16 Einrichtungen des Rhein-Main-Gebietes, organisiert vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, zum 15. Jubiläum als Wanderausstellung konzipiert, die zurzeit im Stadtmuseum gastiert.

 

Auch die kleine Stadt von Gerd Grünhagen hängt jetzt im Ausstellungsraum am Eschenplatz, neben den "gelben Augen" von Künstlerkollegen Rolf Trappen und 38 anderen Bildern und einigen Skulpturen. Die Vernissage am Dienstagabend ist ein großer Moment für die sieben Künstler der Villa Luce. Gerd Grünhagen ist so aufgeregt, dass er auf der Treppe stolpert. Im Flur spielt Jazzmusiker Udo Salamon auf seinem Saxofon, der kleine Raum im ersten Stock ist gerammelt voll. Vorm Haus wechselt Stadtarchivar Gerhard Raiss letzte Worte mit Bürgermeister Wilhelm Speckhardt, der die Geschichte des Kunstforums Revue passieren lässt und betont, wie wichtig der Stadt Eschborn die Kunstschaffenden der Villa Luce seien. Sogar zu den Behinderteneinrichtungen der Partnerstädte in Portugal und Frankreich seien Beziehungen entstanden. Daraus hatten sich gemeinsame Workshops und Ausstellungen ergeben. Auch innerhalb der Skulpturenachse haben die Künstler in Form der "Drei Säulen" am Mühlenteich ihre Spuren hinterlassen.

 

In der Kunst mache es keinen Unterschied, ob jemand behindert sei oder nicht, betonte der Regionalgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Jürgen Lilischkies. Behinderte trauten sich noch unbefangener, ihr Innerstes nach außen zu legen, "unbelastet von den Erwartungen des kommerziellen Kunstmarktes." Das kann Polly Effenberger, eine der Kunst-Assistentinnen, nur bestätigen. Nacheinander stellt sie die sieben Künstler vor. Auch Gerd Grünhagen steht für kurze Zeit ein bisschen verlegen im Rampenlicht.

 

Dann haben die Besucher Gelegenheit, sich die Werke in Ruhe anzuschauen. Und da gibt es eine erstaunliche Vielfalt zu entdecken. Vom eher biederen Obstkorb über großflächige Gesichter bis hin zum idyllischen Haus im Wald, hinter dem die Sonne aufgeht. Mark Richardson hat einen echten Traumwald gemalt, über dem in der roten Abendsonne eine Art Schlitten langsam dahingleitet. Auf einem Computer werden zudem Bilder vom Entstehen der Werke präsentiert. Wer will, kann sich ins Gästebuch eintragen. Langsam lichten sich die Reihen. juwi

 

 

 

 

 

 

 



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